Gastbeiträge

Administrator (jjsa) on 11.2.2021

Gedanken zu Corona

Simone, 11.02.2021

"Privilegien für Geimpfte...bei der aktuellen Berichterstattung in der Presse geht mir echt "die Hutschnur hoch". Ich habe in meinem Bild den Vergleich aus der Fußballwelt gewählt: Elfmeter + Platzverweis, weil ich den Ruf nach Privilegien als Doppelbestrafung empfinde. Zunächst möchte ich klarstellen: ich bin kein Impfgegner, ich habe große Sorge um unsere Wirtschaft und was das alles mit kleinen Kinderseelen anstellt, mag ich mir gar nicht ausmalen. Aber dennoch muss ich das Thema Privilegien einmal von einer anderen Seite betrachten. Die aktuelle Diskussion darf nicht dazu führen, dass ohnehin schon gebeutelte Randgruppen doppelt bestraft werden. Im Prinzip ist diese Diskussion so lange sinnfrei, wie nicht bewiesen ist, dass eine Impfung auch zu einer sterilen Immunität führt. Aber mal ganz ungeachtet dessen, möchte ich einen anderen Blick auf die Dinge eröffnen. Bei der ganzen Diskussion kommt eine Fragestellung viel zu kurz. Man unterscheidet gerade nur zwischen Impfwilligen und Impfverweigerer. Aber was ist mit Menschen, die sich aus unterschiedlichen Gründen nicht impfen lassen können? Sollen diese Menschen langfristig vom Leben ausgesperrt werden? Nehmen wir zum Beispiel mich: ich habe eine Instabilität im Bereich der oberen Halswirbelsäule, also der Kopfgelenke. In Folge dessen habe ich eine sekundäre Mitochondriopathie entwickelt, das heißt, ich habe eine Einschränkung der Mitochondrienfunktion. Kein Massenphänomen, aber durchaus belegbar. Niemand kann mir sagen, ob eine Covid-19 Infektion für mich ein besonderes gesundheitliches Risiko darstellt. Gehöre ich zur Risikogruppe, obwohl erst 44 Jahre alt? Da das gesamte Krankheitsbild in Deutschland nicht erforscht ist, gibt es erst recht keine Aussagen im Bezug auf Corona dazu. Getreu dem Sprichwort "Vorsicht ist besser als Nachsicht", lebe ich also seit März 2020 weitgehend zurückgezogen. Damit komme ich grundsätzlich zurecht. Wie viele andere chronisch Kranke, bin ich daran gewöhnt, mehr zu Hause zu sein, als andere. Aber irgendwann reicht es auch dem Geduldigsten. Die Impfung bietet für viele einen Ausweg - zum Glück. Aber ich stehe wieder vor einem Problem: verträgt mein Körper diese Impfung? Insbesondere, weil ich eine genetisch bedingte Störung der Entgiftungsfunktion habe. Wieder gibt es ohne weiteres keine Antwort darauf. Zurück zu den Privilegien: was wird dann aus solchen Fällen, wie dem meinen? Ich fühle mich irgendwie gebrandmarkt, weil ich vom System ausgeschlossen werden. Brauchen Menschen wie ich dann eine ärztliche Bescheinigung, um wieder am Leben teilhaben zu können? Wer schon mal mit einer seltenen Krankheit bei einem Gutachter war, der weiß, dass man sehr schnell zu hören bekommt: "Sie haben nichts, das ist psychisch". Ergo gäbe es auch keine Bescheinigung. Gibt es zu der Erkrankung noch keinen ICD-10 Code, weil einfach noch nicht ausreichend erforscht, gibt es die Krankheit im System nicht. Hier könnte nur Abhilfe geschaffen werden, wenn der behandelnde Arzt die Bescheinigung ausstellen darf. Aber das wird sicher nicht ausreichen, um mir als unfreiwillig Ungeimpfte überall Zutritt zu verschaffen. Ich denke, vor dem Hintergrund kann man meinen Unmut bezüglich Privilegien-Debatten verstehen. Ich habe keine Lösung zu dem Problem, aber vielleicht bietet mein Beitrag einen Denkanstoß."

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