Gastbeiträge

Administrator (jjsa) on 5.5.2021

Manchmal ist es wie lebendig begraben zu sein

Petra Reichelt, 05.05.2021

Du raubst mir den Schlaf, nimmst mir so viel Zeit meines Lebens. Isolierst mich, von dem was ich so gerne hätte. Ich verliere oft mein Lachen, meinen Mut und die Hoffnung. Unter deinem Schmerz, kann mein Kopf manchmal nicht denken, nimmst jeden Funken an Konzentration, mir fallen die einfachsten Worte und Dinge nicht ein, Worte verschwinden als ob es sie nie gab, du löscht mein Gehirn. Du zerrst an mir, saugst meinen Akku leer, weil du mich nicht liegen lässt, ich nicht mit dir in mir lange sitzen kann, keine Ruhe finde, weil du dich ach so gerne dann bemerkbar machst. Du lässt mich frieren, mal verbrennen, ich mag die Sonne so sehr, aber mit dir ist sie unerträglich, weil du entschieden hast. Du entscheidest wie gut oder schlecht ich sehe, oder wann hin und wieder alles hinter einem Nebel erscheint, malst mir eine Trübung in meine Augen, schöne helle Kreise, immer mehr und mehr, manchmal ist das Licht darin so schmerzhaft wie eine Messerklinge. Du übernimmst die Entscheidung wohin ich gehe, wann ich etwas mache, sorgst für peinliche Momente, wenn ich dich meine Krankheit nicht verstecken kann. Du suchst dir wann und wie du willst immer ein anderes Organ in mir aus. Du machst mich so schwach, das ich manchmal einfach nicht mehr kann. Fährst mein Immunsystem auf Null und sammelst alles was du kannst, kämpfst gegen den Körper in dem du wohnst. Du bestimmst wann ich Dinge nicht riechen kann und wann ich Blut erbreche, bringst meinen Kopf zum platzen mit deinem Druck in mir, jedes kleine Geräusch treibt mich in den Wahnsinn. Du nimmst mir die Kraft zum aufstehen und wenn du willst gibt es Tage an denen ich mit dir nicht mal 5 Minuten laufen kann. Selbst mein Übergewicht macht dir einen wahnsinns Spass. Wenn ich gegen dich ankämpfe um arbeiten zu gehen, Auto zu fahren, den Alltag zu schaffen reißt du mir den Boden unter meinen Füßen weg. Manchmal sperrst du mich tagelang zu Hause ein und manchmal dauert dein Krieg nur ein paar Stunden. Du zerreißt meine Seele, weil du mir mein Leben nimmst und ich kämpfe so sehr gegen dich an. Du frisst mich und jede einzelne Faser meiner Muskeln auf. Du bist nicht sichtbar, es ist kein blutender Schnitt, kein fehlendes Bein, du bist einfach in mir. Du hast mir so oft schon die Zeit als Mama genommen, das Gefühl eine Frau zu sein, Ziele und Wege verbaut. Du bist irgendwann in mir aufgetaucht und irgendwann nach unendlich vielen Untersuchungen ohne Erklärung für all' das und noch vieles mehr was den Rahmen hier noch weiter sprengen würde musste ich dich einfach akzeptieren, Diagnose Fibromyralgie. Durch dich habe ich auf vieles verzichtet und all die Menschen die mich für dich verurteilen, tolle Ratschläge geben, mit ihren Vorurteilen, blöden Fragen, Blicken und Lästerein, ja ich habe mich irgendwann zurück gezogen. Mit dir in mir bin ich manchmal verdammt allein. Ich soll dich mit Tramal und Antidepressiva füttern, das möchte ich nicht, vielleicht bin ich sonst irgendwann garnicht mehr ich. Es gibt Tage da scheinst du von all' dem erschöpft zu schlafen, da vergesse ich dich und kann ein normales Leben genießen, bis du wieder wach wirst. Ich versuche dir zu zeigen das ein viel schöneres Leben in mir wohnt. Vielleicht können wir uns irgendwann mal friedlicher meinen Körper teilen, ich weiss du wirst niemals wieder gehen und wir müssen lernen miteinander zu leben. Aber bitte lass mich zwischendurch ein wenig leben.

So halbiert sich das Leben wenn man es in sich teilen muss.

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