Gastbeiträge

Administrator (jjsa) on 28.4.2020

Ängste während der Coronakrise.

Angst vermeiden...

Daniela Köhrer, 28.04.2020, togetherbodenseeblog.wordpress.com

 

kann manchmal hilfreich sein, manchmal aber eben auch nicht.

Vor ein paar Tagen hat mich der Anruf einer lieben Bekannten erreicht. Sie ist schwer an einem Lupus  erkrankt und hat derzeit auch schon ohne COVID-19 erheblich mit ihrer gesundheitlichen Situation zu kämpfen.

Sie war sehr verunsichert, da sie in der letzen Zeit via Facebook und dergleichen immer wieder Nachrichten und Hinweise erhält, die da behaupten der Virus mit, all seinen Folgen, sei lediglich ein Fake, diene der Panikmache u.s.w…

Nehme sie die ganze Angelegenheit zu ernst, so ihre bange Frage?  …Mich hat dieser Anruf sehr betroffen gemacht, denn Nein…aus meiner Sicht hat sie allen Grund die durch eine Infektion drohende Gefahr ernst zu nehmen, ein gewisses Maß an Angst zu haben. Denn mit einer aktiven entzündlichen Erkrankung zählt sie, ebenso wie ich, zu den Risikopatienten. Eine Nachlässigkeit im Umgang mit der Ansteckungsgefahr kann sie schlicht und ergreifend das Leben kosten.

Nein, ich möchte der Angst sicherlich nicht zuviel Raum geben, sie gewiss nicht schüren, denn wenn wir bereit sind ehrlich in den Spiegel zu schauen, dann haben wir alle schon sicherlich mehr als genug davon.

Genau genommen muss eine solche Situation, wie die Welt sie derzeit erlebt,  auch Angst auslösen. Ja, sie MUSS Angst machen, weil sie uns täglich mit unserer Verwundbarkeit, der Brüchigkeit des Lebens und  der Tatsache, dass Sicherheit letztendlich eine Illusion darstellt, in Kontakt bringt.

Und ja!!!! Ich verstehe, dass wir alle nach Erklärungen für diese Katastrophe suchen. Dass wir uns fragen wieso, weshalb, warum?  Dass wir als diejenigen, die doch so sehr an Sicherheit gewöhnt sind , uns immer wieder fragen, ob dies denn alles nun tatsächlich Realität sein könne, oder ob wir uns  nicht  vielleicht doch irgendwie im falschen Film befinden. Und ich verstehe zutiefst wie sehr die Isolation, die Einschränkungen, die verlorene Freiheit, die finanziellen Einbußen  u.s.w. jedem Einzelnen von uns schwer zu schaffen machen…

Weiß Gott, gerade in Sachen Isolation bin ich ja nun wirklich Expertin, habe ich sie doch so viele Jahre, bedingt durch die Erkrankung, in Extremform erlebt. Ich weiß wie quälend sie ist, wie sehr sie auf Dauer die Seele eines Menschen zermürbt und im schlimmsten Fall sogar zerstört…

Und ja, auch ich leide unter der Situation. Leide darunter nun wiederum vollkommen abgeschnitten von der Außenwelt zu sein, leide unter der Isolation, leide darunter dass meine Familie mitleidet…

Und trotzdem , oder gerade deshalb, wünsche ich mir Solidarität. Wünsche mir, dass der Gefahr Rechnung getragen wird, dass man ihr ins Auge schaut, sie nicht abtut als Fake oder Panikmache…

Ja , Ich wünsche mir, dass Lockerungen im Umgang mit der Pandemie verantwortungsbewusst angegangen werden, auch wenn uns das allen sehr viel abverlangt.

Und ja, ich wünsche mir,  dass Risikopatienten  hinsichtlich ihrer Vorsichtsmaßnahmen  nicht verunsichert werden. Dass sie nicht in Gefahr gebracht werden, indem  die Bedrohung durch den Virus  negiert wird.  Als „nicht vorhanden“ abgetan und auf diejenigen verschoben wird, die nun gezwungen sind vertretbare Lösungen für alle Beteiligten zu finden.

Ich wünsche mir, dass wir genau so viel Angst verspüren, dass anstelle von gesetzlichen Regelungen irgendwann das eigenverantwortliche Handeln jedes Einzelnen tritt. Ein Handeln basierend auf der  Akzeptanz dafür, dass Krankheit unser aller Thema ist. Ein Thema das jeden von uns, zu jeder Zeit treffen kann.

Und ich wünsche mir genau so viel Angst, dass Einsicht entstehen kann.  Ein tiefes Verstehen dafür, dass Leben auf diesem Planeten für uns alle nur dann möglich sein wird , wenn wir bereit sind dieses Leben auch zu schätzen und  zu schützen. Immer und zu jeder Zeit, so gut wie möglich, so gut wir eben können.  Auch um den Preis eigener Einbußen…auch dann noch, wenn es schwer fällt und mit Verzicht verbunden ist.

Denn alles andere wird nicht nur unser aller Leiden verlängern und verschärfen, es kann Leben kosten. Mein Leben und das vieler anderer!!!!

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